Sachtexte für Lehrpersonal

Fledermäuse sind die einzigen aktiv fliegenden Säugetiere der Welt. In Österreich leben 26 verschiedene Arten, die alle streng geschützt sind. Europaweit sind es rund 45 Arten. Sie spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem, etwa durch die Regulation von Insektenpopulationen. Viele Arten gelten als gefährdet.

Körperbau

Fledermäuse besitzen einen einzigartigen Körperbau, der perfekt an das aktive Fliegen in der Nacht angepasst ist. Ihr auffälligstes Merkmal sind die Flügel, die sich deutlich von denen der Vögel unterscheiden: Sie bestehen aus einer dünnen, elastischen Flughaut (dem sogenannten Patagium), die sich zwischen dem Körper, den Hinterbeinen und den stark verlängerten Fingerknochen der Vorderextremitäten spannt. Anders als bei Vögeln, bei denen Federn für den Auftrieb sorgen, bildet bei Fledermäusen also die Hand selbst den Flügel – daher auch der wissenschaftliche Name „Chiroptera“, was „Handflügler“ bedeutet. Der Daumen ist nicht in die Flughaut eingebunden und dient als kleiner, freistehender Greiffinger zum Klettern oder Festhalten.

Der Körper der Fledermaus ist leicht, kompakt und gut isoliert – das feine Fell schützt vor Auskühlung. Der Kopfform variiert stark zwischen den Arten, je nach Spezialisierung auf bestimmte Beutetiere oder Echoortung. Viele Arten, wie die Hufeisennasen, tragen komplexe Nasenaufsätze, über die sie Ultraschallrufe zur Orientierung ausstoßen. Die Ohren sind bei den meisten Arten groß und beweglich, oft mit einem zusätzlichen Hautlappen (Tragus) zur besseren Schalllokalisierung. Die Augen sind meist klein, doch das Sehvermögen ist besser als oft angenommen – zusätzlich zur hochentwickelten Echoortung. Sie sind besonders lichtempfindlich, daher können Fledermäuse in der Dämmerung besser sehen als Menschen.

Die Hinterbeine sind ebenfalls in die Flughaut eingebunden und meist nach hinten gedreht. Das ermöglicht es Fledermäusen, sich kopfüber hängend festzukrallen – eine Ruheposition, die durch spezielle Sehnenmechanismen fast ohne Muskelkraft gehalten werden kann. Die Fortbewegung am Boden ist durch den Körperbau eingeschränkt, wenngleich manche Arten wie die Hufeisennase oder das Mausohr krabbelnd oder hüpfend erstaunlich geschickt sind.

Sinne

Fledermäuse besitzen eine hochentwickelte Echoortung: Sie stoßen Ultraschallrufe aus und erkennen aus dem Echo Entfernung, Größe und Art von Objekten. Ihr Gehör ist extrem fein abgestimmt. Auch Geruchs- und Tastsinn sind gut ausgeprägt.

Fledermäuse gehören zur Ordnung der Chiroptera (Handflügler) innerhalb der Klasse Säugetiere. Diese Ordnung teilte sich lange in zwei Unterordnungen, die vor allem Gemeinsamkeinen in Körperbau und Verhalten betonte.

  • Megachiroptera (Flughunde)
    o tropisch, nicht in Europa
    o guter Sehsinn, kein Echolot
    o vor allem pflanzliche Ernährung
  • Microchiroptera (Fledermäuse)
    o in Europa vertreten
    o Echoortung zur Orientierung und Jagd
    o vor allem Insekten als Nahrung

Die neue Unterteilung in Yinpterochiroptera (Flughunde und einige Fledermausarten) und Yangochiroptera (restliche Fledermausarten) basiert nicht auf Äußerlichkeiten oder Verhalten, sondern auf evolutionären Verwandtschaftsverhältnissen, die durch genetische Analysen (z. B. DNA-Vergleiche) erforscht wurden.

In Österreich gehört zur Gruppe der Yinpterochiroptera nur die Kleine Hufeisennase. Diese ist also evolutionär näher mit den Flughunden, als mit den übrigen Fledermausarten verwandt. Alle anderen in Österreich vorkommenden Fledermausarten werden zu den Yangochiroptera gezählt.

Was bedeutet das konkret?

Früher wurde angenommen, dass alle Fledermäuse mit Echoortung (Microchiroptera) eng miteinander verwandt sind und die Flughunde (Megachiroptera), die keine Echoortung nutzen, eine ganz andere Gruppe sind.

Heute weiß man, dass einige echoortende Fledermausarten (wie die Hufeisennasen) enger mit den Flughunden verwandt sind als mit anderen kleinen Fledermäusen (z. B. Zwergfledermäusen). Deshalb passt die alte Einteilung nicht zu den tatsächlichen Abstammungslinien.

Neue Systematik = Abbildung der Verwandtschaft
Die moderne Einteilung zeigt, wer von wem abstammt und wie sich verschiedene Gruppen im Lauf der Evolution auseinanderentwickelt haben.

  • Yinpterochiroptera:
    Flughunde + einige kleine Fledermäuse (z. B. Hufeisennasen) haben einen gemeinsamen Vorfahren → enge Verwandtschaft
  • Yangochiroptera:
    alle anderen kleinen Fledermäuse, die sich unabhängig von den Flughunden entwickelt haben.

Die Fähigkeit zur Echoortung hat sich mehrmals unabhängig entwickelt – das nennt man konvergente Evolution.

Mehr über die spannende Evolution der Fledermäuse erfährt man hier:

Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Das macht sie nicht zu Vögeln, denn anders als diese:

  • haben Fledermäuse Fell, kein Gefieder,
  • gebären lebende Jungtiere und säugen diese mit Muttermilch (sie brüten keine Eier aus),
    • besitzen einen gut entwickelten Sinn für Echoortung anstelle des Sehsinns als Hauptorientierung und
    • haben Hände als Flügel: ihre Flughaut spannt sich über stark verlängerte Fingerknochen – daher der Name Handflügler.

Der Flügelaufbau bei Vögeln und Fledermäusen ist ein weiteres schönes Beispiel für konvergente Evolution: Sowohl Fledermäuse als auch Vögel haben das Fliegen unabhängig voneinander entwickelt – mit ganz unterschiedlichen anatomischen Strukturen.

Fledermausflügel = Handflügel („Chiroptera“ = Handflügler)

  • Der Flügel der Fledermaus besteht aus extrem verlängerten Fingern (Daumen ausgenommen).
  • Eine dünne, elastische Hautmembran (Patagium) spannt sich zwischen den Fingern, dem Körper und den Beinen.
  • Der Daumen steht frei ab – wie ein kleiner Haken – und dient zum Klettern oder Festhalten.

Vogelflügel = Armflügel

  • Der Flügel der Vögel wird vor allem von ihren verlängerten Arm- und Handknochen gebildet.
  • Die Fingerknochen sind stark reduziert (meist nur zwei bis drei Finger), verknöchert und unbeweglich.
  • Der Auftrieb kommt durch die großen Schwungfedern, die an den Arm- und Handknochen sitzen.

Kurz gesagt: Fledermäuse fliegen mit den Händen und Vögel fliegen mit Federn an verschmolzenen Armen.

Fledermäuse (Chiroptera) gehören zu den ältesten heute noch lebenden Säugetiergruppen – sie existieren seit fünfzig bis sechzig Millionen Jahren, möglicherweise sogar länger. Fossilfunde belegen, dass Fledermäuse bereits kurz nach dem Aussterben der Dinosaurier vor etwa 66 Millionen Jahren entstanden sind. Sie haben sich also in einer Zeit entwickelt, als die Erde noch von ursprünglichen Säugetierformen dominiert war.

Die ältesten bekannten Fledermausfossilien
Die ältesten gut erhaltenen Fossilien stammen aus der Frühzeit des Eozäns, vor etwa 52 Millionen Jahren, und wurden unter anderem in den berühmten Fossillagerstätten von Messel (Deutschland) und Wyoming (USA) gefunden. Diese frühen Fledermäuse – z. B. Onychonycteris oder Icaronycteris – sahen modernen Fledermäusen bereits erstaunlich ähnlich: Sie konnten fliegen, hatten flughäutige Flügel und viele besaßen bereits ein gut entwickeltes Echoortungssystem.

Evolutionäre Besonderheiten

Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können – ihre Vordergliedmaßen haben sich zu Flügeln mit einer flexiblen Flughaut entwickelt. Die Evolution des Fluges und der Echoortung zählt zu den bemerkenswertesten Anpassungsleistungen der Säugetiergeschichte. Interessant ist, dass bei manchen frühen Arten wie Onychonycteris Hinweise dafür bestehen, dass sie bereits fliegen konnten, aber noch keine Echoortung besaßen – was darauf hindeutet, dass das Fliegen vor der Echoortung entstanden sein könnte. Dies ist jedoch nur eine von vielen Theorien, ein wissenschaftlicher Konsens darüber besteht bisher nicht.

Weltweite Verbreitung und Vielfalt

Heute gibt es weltweit rund 1.400 Fledertierarten (Chiroptera, also Flughunde und Fledermäuse), was etwa 20 % bzw. einem Fünftel aller bekannten Säugetierarten entspricht. Fledermäuse sind extrem anpassungsfähig und haben sich an ganz unterschiedliche Lebensräume und Nahrungsquellen angepasst:

  • Sie leben auf fast allen Kontinenten, außer in der Arktis und Antarktis.
  • Ihre Nahrung variiert stark: Die meisten Arten fressen Insekten, andere Früchte, Blütennektar, Kleintiere – und ganz wenige sogar Blut (Vampirfledermäuse).
  • Sie nutzen Nischen, die andere Säugetiere nicht besetzen – vor allem die Nacht und den Luftraum.

Durch diese Vielfalt an Lebensweisen und ökologischen Rollen konnten sich sehr viele verschiedene Arten entwickeln.

Fledermäuse sind dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in dunklen Verstecken wie Dachböden, Baumhöhlen oder Felsspalten. Nachts fliegen sie aus, um Insekten zu jagen. Viele Arten leben in Kolonien, besonders Weibchen mit Jungtieren.

Lebensraum

Sie benötigen je nach Art unterschiedliche Strukturen, wie alte Bäume, Gewässer, Hecken, aber auch Gebäude. Wichtig für alle sind unversiegelte Landschaften, in denen sie Nahrung und Quartiere finden. Arten wie das Große Mausohr bevorzugen strukturreiche Kulturlandschaften, andere wie die Mopsfledermaus leben in Wäldern.

Nahrung
Europäische Fledermäuse sind ausschließlich Insektenfresser. Sie jagen im Flug oder sammeln Beute von Oberflächen. Beute sind z. B. Mücken, Nachtfalter, Käfer und Spinnen. Der Energiebedarf ist hoch: kleine Arten müssen jede Nacht ihr halbes Körpergewicht fressen.

Gibt es „Vampirfledermäuse“?

Blutsaugende Fledermäuse, sogenannte Vampirfledermäuse, gibt es tatsächlich, allerdings nicht in Europa, sondern ausschließlich in Mittel- und Südamerika. Von den weltweit über 1.400 Fledermausarten gehören nur drei Arten zur Gruppe der echten Vampirfledermäuse. Die bekannteste ist die Gemeine Vampirfledermaus (Desmodus rotundus).

Diese Tiere ernähren sich vom Blut anderer Tiere, meist Rinder, Vögel oder Wildtiere. Sie beißen ihre Beute mit scharfen Schneidezähnen an, lecken das austretende Blut und geben dabei sogar ein gerinnungshemmendes Enzym ab, das derzeit sogar medizinisch erforscht wird. Der Blutverlust für das „Opfer“ ist dabei in der Regel gering.

Vampirfledermäuse sind zwar nachtaktiv, aber anders als ihr Ruf vermuten ließe, klein und scheu. Menschen werden nur äußerst selten gebissen.

Fledermäuse durchlaufen über das Jahr hinweg verschiedene Phasen, die stark von den Jahreszeiten und dem Nahrungsangebot abhängen. Im Frühling erwachen sie aus der Winterstarre, in der sie mehrere Monate lang in kühlen, feuchten Quartieren –
wie Höhlen, Kellern oder Stollen – in einem energiesparenden Zustand überdauert haben. Nach dem Erwachen benötigen sie zunächst viel Energie, um ihre Reserven wieder aufzufüllen. Deshalb beginnt nun eine intensive Jagdzeit, in der sie bei steigenden Temperaturen insektenreiche Gebiete aufsuchen.

Im Frühsommer, etwa ab Mai oder Juni, bilden die weiblichen Tiere sogenannte Wochenstuben, also Gruppen zur gemeinsamen Geburt und Aufzucht der Jungen. Diese wärmeren Quartiere befinden sich häufig auf Dachböden, hinter Fassadenverkleidungen oder in Baumhöhlen. Dort bringt jedes Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt. Die Jungtiere wachsen schnell heran und beginnen nach drei bis vier Wochen mit den ersten Flugversuchen, bevor sie sich selbstständig machen.

Im Spätsommer und Herbst beginnt die Paarungszeit, die bei vielen Arten mit sogenannten Balzflügen und Reviergesängen der Männchen einhergeht. Obwohl sich die Tiere zu dieser Zeit paaren, findet die eigentliche Befruchtung bei den meisten Arten erst im Frühjahr nach der Winterruhe statt – das nennt man verzögerte Befruchtung. Gleichzeitig beginnen die Fledermäuse, sich Fettreserven für den Winter anzufressen und geeignete Winterquartiere aufzusuchen.

Im Winter ziehen sich die Tiere in geschützte, kühle und frostfreie Orte zurück, um dort in eine mehrere Monate andauernde Winterruhe zu verfallen. Während dieser Zeit sind sie völlig inaktiv: ihre Körpertemperatur sinkt stark ab und ihr Stoffwechsel reduziert sich auf ein Minimum. Störungen in dieser Phase können lebensbedrohlich sein, da jede Aufwachphase sehr viel Energie verbraucht.

→ Das Sachbuch „Wild! Die Fledermaus.“ beschreibt den Jahresverlauf einer Fledermaus sehr anschaulich und detailliert.
Kremser, T., & Krügel, A. (2021). Wild! Die Fledermaus. Kempen: moses. Verlag.

Aufzucht der Jungen

Die Aufzucht der Fledermausjungen ist sehr fürsorglich und erfolgt ausschließlich durch das Muttertier. In der Regel bringt ein Weibchen ein einziges Junges pro Jahr zur Welt – Zwillinge sind selten. Die Geburt findet meist im Frühsommer in sogenannten Wochenstuben statt, das sind geschützte, warme Quartiere, in denen sich viele Weibchen zur Aufzucht zusammenschließen.

Das Junge ist bei der Geburt nackt, blind und vollkommen hilflos. Es wird etwa drei bis vier Wochen gesäugt und klammert sich in dieser Zeit am Bauch der Mutter fest oder bleibt im Quartier zurück, während die Mutter auf Nahrungssuche geht. Mit etwa einem Monat starten die ersten Flugversuche und kurz darauf beginnen die Jungtiere selbstständig Insekten zu jagen. Die Mutter erkennt ihr Junges im Quartier durch Stimme und Geruch – eine wichtige Fähigkeit bei großen Wochenstuben mit Dutzenden von Tieren.

Fledermäuse wachsen relativ langsam heran, was typisch für lang lebende Säugetiere mit geringer Fortpflanzungsrate ist. In dieser Zeit sind sie aber auch besonders anfällig für Störungen.

Fressfeinde sind Eulen, Katzen und Marder. Doch die größte Bedrohung ist der Mensch. Durch ihn kommt es zu:

  • Verlust von Lebensräumen (alte Bäume, Dachböden, Höhlen, …),
  • Zerschneidung von Landschaften durch Straßen,
  • Versiegelungen von Ritzen und Nischen an Gebäuden und Gebäudesanierungen ohne Ersatzquartiere sowie
  • Störungen in Winterquartieren.

Künstliches Licht wirkt sich stark negativ auf viele Arten aus. Es stört ihre Flugrouten sowie ihr Jagd- und Sozialverhalten. Fledermäuse haben sich evolutionär an das
Leben in der Nacht angepasst. Sie vermeiden hell erleuchtete Bereiche, weil diese für sie mit erhöhter Gefahr durch Fressfeinde, wie Greifvögel oder Eulen, verbunden sind. Auch ihre empfindlichen Augen und ihr Orientierungssystem – die Echoortung – sind auf Dunkelheit eingestellt. Lichtverschmutzung verändert die Struktur ihrer Lebensräume und kann so ihre gesamte ökologische Nische bedrohen.

  1. Verlust dunkler Jagdhabitate: Viele Fledermausarten meiden beleuchtete Flächen. Wenn nächtliche Jagdgebiete – etwa Waldwege, Parkanlagen, Gewässer oder Waldränder – künstlich beleuchtet werden,
  2. Verzögerung beim nächtlichen Ausflug: Viele Fledermäuse fliegen erst nach Sonnenuntergang aus ihren Quartieren (z. B. Dachböden oder Baumhöhlen). Wenn der Bereich rund um den Ausgang beleuchtet ist – etwa durch Straßenlaternen, Sicherheitsleuchten oder Werbetafeln – verzögern sie ihren Ausflug. Dadurch verlieren sie wertvolle Zeit zur Nahrungssuche und geraten in Konkurrenz zu anderen Tieren, die später starten.
  3. Fragmentierung von Lebensräumen: Lichtbarrieren – z. B. durch eine beleuchtete Straße zwischen Waldstücken – führen dazu, dass Fledermäuse gewisse Strecken nicht mehr überqueren. Sie meiden die hellen Zonen und ihre Flugrouten werden unterbrochen. Das kann sich negativ auf den genetischen Austausch zwischen Populationen auswirken und langfristig zur Verinselung und Verarmung der Bestände führen.
  4. Ungleichgewicht unter den Fledermausarten: Einige wenige Arten – sogenannte Lichtnutzer, wie Zwergfledermäuse – haben sich an künstliches Licht gewöhnt und jagen dort gezielt Insekten, die von der Beleuchtung angezogen werden. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht, denn lichtvermeidende Arten werden zurückgedrängt, während andere sich lokal vermehren können. Bereits 1992 haben Forschende rund um Rydell herausgefunden, dass dadurch die Artenzusammensetzung und das ökologische Gleichgewicht (erheblich) beeinträchtigt werden.

Der dramatische Rückgang von Insekten (teils über 70 % in den letzten Jahrzehnten) entzieht Fledermäusen die Nahrungsgrundlage. Besonders betroffen sind
spezialisierte Arten, die nur bestimmte Beute jagen. Weniger Nahrung bedeutet geringere Überlebenschancen – insbesondere für Jungtiere.

Warum reagieren Insekten so stark auf Licht?

Viele Insektenarten sind nachtaktiv und nutzen das natürliche Licht des Mondes und der Sterne zur Orientierung. Sie orientieren sich dabei am Winkel zum Licht – ein Mechanismus, der bei Himmelskörpern in weiter Entfernung funktioniert. Künstliche Lichtquellen hingegen befinden sich in relativer Nähe, sodass sich Insekten bei ihrer Orientierung spiralförmig auf das Licht zubewegen. Dadurch fliegen sie oft stundenlang um Straßenlaternen oder Hausbeleuchtungen und verbrauchen dabei Energie, die sie für Nahrungssuche, Fortpflanzung oder Flucht brauchen würden.

  1. Anlockwirkung und Tod durch Erschöpfung oder Hitze: Viele Insektenarten (z. B. Nachtfalter) umkreisen Lichtquellen so lange, bis sie erschöpft zu Boden fallen. Manche verbrennen auch direkt an heißen Leuchtmitteln. Studien zeigen, dass eine einzelne Laterne pro Nacht Hunderte Insekten töten kann.
  2. Störung des Paarungsverhaltens: Bei Glühwürmchen („Leuchtkäfern“) spielt Licht eine zentrale Rolle bei der Partnersuche. Künstliches Licht überstrahlt ihr Leuchtsignal und verhindert, dass sich Männchen und Weibchen finden. Dies kann zum lokalen Aussterben führen.
  3. Veränderung im Bestäubungsverhalten: Viele Pflanzen werden nicht nur tagsüber, sondern auch nachts von Insekten wie Nachtfaltern oder Käfern bestäubt. Lichtverschmutzung führt dazu, dass diese nächtlichen Bestäuber ihre Aktivität einschränken oder bestimmte beleuchtete Pflanzen meiden. Das kann die Fortpflanzung dieser Pflanzenarten gefährden.
  4. Veränderungen im Nahrungskreislauf: Wenn sich die Insektenwelt verändert, hat das Auswirkungen auf Tiere, die von ihr leben – zum Beispiel Fledermäuse, Amphibien oder Vögel. Weniger Insekten bedeuten weniger Nahrung, was zu einem Rückgang dieser Tiergruppen führen kann.

In Österreich kommen 26 verschiedene Fledermausarten vor – alle stehen unter strengem Schutz (laut FFH-Richtlinie der EU und nationalem Naturschutzrecht).
Hier sind einige der häufigsten und wichtigsten Arten, die in Österreich vorkommen:

Art wissenschaftlicher Name Besonderheiten
Großes Mausohr Myotis myotis größte heimische Art (Flügelspannweite bis 40 cm), lebt oft in Dachstühlen
Kleine Hufeisennase Rhinolophus hipposideros selten, wärmeliebend, stark gefährdet, besonders in West- und Südösterreich
Zwergfledermaus Pipistrellus pipistrellus sehr klein, häufigste Stadtfledermaus, nutzt Spalten an Gebäuden
Breitflügelfledermaus Eptesicus serotinus häufig in Dörfern/Städten, jagt gern an Straßenlaternen
Großer Abendsegler Nyctalus noctula eine der größten heimischen Arten, jagt hoch in der Luft, zieht im Winter manchmal in wärmere Gebiete
Wasserfledermaus Myotis daubentonii jagt in Ufernähe knapp über der Wasseroberfläche
Mopsfledermaus Barbastella barbastellus rar, aber charakteristisch durch das „Mopsgesicht“, lebt in strukturreichen Wäldern
Braunes Langohr Plecotus auritus große Ohren, extrem leise Flieger, können Beute auch „lauschen“ statt nur mit Echoortung orten
Kleine Bartfledermaus Myotis mystacinus klein, schwer unterscheidbar von anderen Myotis-Arten, kommt oft in Waldrandnähe vor
Fransenfledermaus Myotis nattereri mittelgroß, typische Waldfledermaus, jagt langsam und geschickt

Verbreitung und Lebensräume

  • Städtische Arten: Zwergfledermaus, Breitflügelfledermaus
  • Waldarten: Braunes Langohr, Mopsfledermaus, Fransenfledermaus
  • Wassernahe Arten: Wasserfledermaus
  • Alpine Arten: Alpensegler (in wärmeren Lagen, selten)

Gefährdung

Auch häufige Arten sind durch Insektenrückgang, Quartierverlust, Lichtverschmutzung und Störungen bedroht. Besonders gefährdet sind:

  • Kleine Hufeisennasen
  • Mopsfledermäuse
  • Große Hufeisennasen

Größenvergleich: Die kleinste und größte Fledermaus Österreichs
Österreich beheimatet insgesamt 26 Fledermausarten, die sich in Größe, Lebensraum, Jagdverhalten und Lautäußerungen stark unterscheiden.

Art Gewicht Spannweite Besonderheit
Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) ca. 4 – 8 g 18 – 25 cm kleinste heimische Art, häufig in Städten
Großes Mausohr
(Myotis myotis)
bis 40 g bis 43 cm größte Art Österreichs, lebt gern auf Dachböden alter Gebäude

Zum Vergleich: Das Große Mausohr wiegt etwa so viel wie ein halbes Päckchen Butter, eine Zwergfledermaus kaum mehr als ein Stück Würfelzucker – trotzdem legen beide mit ihrem wendigen Flug viele Kilometer pro Nacht zurück.

Fledermäuse erfüllen eine zentrale ökologische Funktion: Sie sind nachtaktive Insektenjäger und tragen maßgeblich zur Regulation von Insektenpopulationen bei –
darunter auch viele Schädlinge aus Landwirtschaft, Forst oder städtischem Raum. Jede Fledermaus frisst mehrere Tausend Insekten pro Nacht, daher auch ihre enorme Bedeutung für die natürliche Schädlingskontrolle und das ökologische Gleichgewicht.

Darüber hinaus dienen sie selbst als Beute für andere Tiere (z. B. Eulen, Marder, Uhus) und nehmen so eine wichtige Stellung in der Nahrungskette ein.

Die ökologische Rolle hängt stark vom jeweiligen Lebensraum und der Spezialisierung der Fledermausart ab. Im Folgenden werden einige Arten exemplarisch dargestellt:

Wälder – Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus)
Die Mopsfledermaus ist eine seltene, auf strukturreiche Laub- und Mischwälder angewiesene Art mit hohem ökologischen Anspruch. Sie jagt vor allem in lichtarmen, alten Waldbeständen mit viel Unterwuchs und Totholz.

  • frisst bevorzugt nachtaktive Schmetterlinge, darunter auch forstliche Schädlinge wie Frostspanner, Nonnen oder Eichenwickler.
  • fördert das Gleichgewicht im Wald, indem sie Massenvermehrungen eindämmt und
  • benötigt alte Baumhöhlen oder Rindenabstehungen als Quartiere. Ihr Schutz fördert somit auch andere höhlenbewohnende Arten (Käfer, Vögel, Pilze).

Kulturlandschaft – Großes Mausohr (Myotis myotis)
Das Große Mausohr lebt oft in ländlichen Regionen, z. B. unter Kirchdächern in Dachböden alter Gebäude, und jagt bevorzugt in extensiv genutztem Grünland mit Hecken, Streuobstwiesen und Wiesenrainen.

  • Seine Nahrung besteht aus großen Bodeninsekten wie Laufkäfern, Maikäfern oder Grillen.
  • Es trägt zur biologischen Schädlingsregulation in der Landwirtschaft bei – vor allem in ökologisch bewirtschafteten Flächen.
  • Durch seine Koloniebildung (Wochenstuben mit über hundert Tieren) hat es lokal sehr großen Einfluss auf Insektenpopulationen.

Felslandschaften & Übergangsbereiche – Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)

Die Kleine Hufeisennase ist eine seltene, wärmeliebende Art, die v. a. in West- und Südösterreich vorkommt. Sie nutzt alte Gebäude, Felshöhlen, Stollen und Gebirgsausläufer als Quartiere und jagt in strukturreichen Übergangslandschaften mit Hecken, Wiesen und Waldrändern.

Sie:

  • ist spezialisiert auf kleinere Nachtfalter, Fliegen und Mücken.
  • reagiert sehr empfindlich auf den Verlust strukturreicher Jagdhabitate.
  • Ist wichtig für das Gleichgewicht in kleinräumig strukturierten Gebirgs- und Tallandschaften, da sie dort gezielt bestimmte Insekten reguliert.

Städte & Dörfer – Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
Die Zwergfledermaus ist ein typischer Kulturfolger und lebt in Spalten an Gebäuden, Rollladenkästen oder Mauerritzen. Sie kommt gut mit urbanen Lebensräumen zurecht – solange diese nicht durch Lichtverschmutzung oder Sanierungen ohne Ersatzquartiere zerstört werden.

Sie:

  • frisst große Mengen an Stechmücken und Kleidermotten. Dies ist auch für uns Menschen von Vorteil.
  • jagt in Parks, Gärten und an Straßenbeleuchtungen, wo sich Insekten sammeln.
  • fördert ökologische Gesundheit in urbanen Räumen.

Fazit: Fledermäuse als Indikatoren und Insektenmanager

Fledermäuse sind ökologische Schlüsselarten. Ihre Lebensweise macht sie zu Indikatoren für intakte Landschaften: Wo sie leben, gibt es Strukturreichtum, Dunkelheit, vielfältige Insekten und alte Quartiere. Verschwinden sie, fehlen meist wichtige ökologische Voraussetzungen.

Sie:

  • halten Insektenpopulationen im Gleichgewicht,
  • verhindern Schädlingsplagen,
  • dienen anderen Tieren als Beute und
  • helfen uns, die Qualität von Lebensräumen zu bewerten.

Ihr Schutz ist daher kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für gesunde Ökosysteme.

Quellen zu Fledermäusen allgemein

Quellen zu Fledermausarten in Österreich

  1. KFFÖ – Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich
    Website der wichtigsten Fachstelle zu Fledermäusen in Österreich
    https://www.fledermaus.at
    → enthält Artporträts, Verbreitungskarten, Schutzmaßnahmen
  2. Naturhistorisches Museum Wien – Säugetiersammlung/Chiroptera
    https://www.nhm-wien.ac.at/forschung/sammlung/saeugetiere
    → Informationen zur Artenvielfalt in Österreich
  3. Rote Liste der Säugetiere Österreichs (Gruber et al., 2023)
    → offizielles Verzeichnis gefährdeter Arten in Österreich
    → publiziert vom Umweltbundesamt
    https://www.umweltbundesamt.at (Suchbegriff: Rote Liste Säugetiere 2023)
  4. EUROBATS – Abkommen zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen
    https://www.eurobats.org
    → Daten über Vorkommen und Schutzstatus in Europa
  5. BML – Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft
    https://www.bml.gv.at
    → liefert Hintergrundwissen zu Schutzprojekten und Monitoring

Quellen zum ökologischen Hintergrundwissen

  1. KFFÖ – Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich
    ➤ Artporträts, Lebensraumansprüche, Schutzprojekte
    https://www.fledermaus.at
  2. EUROBATS (Agreement on the Conservation of Populations of European Bats)
    ➤ Hintergrundwissen zu Fledermäusen als Insektenregulatoren und zur Bedeutung in Ökosystemen
    https://www.eurobats.org
  3. BUND Naturschutz: „Fledermäuse – Lautlose Jäger der Nacht“
    ➤ gut verständliche Darstellungen der ökologischen Bedeutung von
    Fledermäusen
    https://www.bund-naturschutz.de/tiere-in-der-natur/fledermaeuse
  4. NABU Deutschland – Fachinformationen zu Lebensräumen, Arten und Ökofunktion
    https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/fledermaeuse
  5. Rote Liste der Säugetiere Österreichs (Gruber et al., 2023)
    ➤ Daten zu Verbreitung, Gefährdung und ökologischen Ansprüchen
    https://www.umweltbundesamt.at → Suchbegriff: Rote Liste Säugetiere 2023

Naturnacht für Naturvermittler:innen

Den eigenen Garten mit nachtblühenden und nektarreichen Blütenpflanzen in ein Paradies für Nachtschwärmer und Fledermäuse verwandeln (inkl. Pflanzenliste): https://mecklenburg-vorpommern.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/29822.html

Lichtverschmutzung und ihre Folgen für Mensch und Natur – ein Folder des Landes OÖ: https://www.land-oberoesterreich.gv.at/files/publikationen/us_Besseres_Licht_2022.pdf

Naturpark – Ausleihtasche

Der Naturpark Attersee-Traunsee stellt eine Ausleihtasche zur Verfügung.

Inhaltsverzeichnis folgt!

Videos

Die fabelhafte Welt der Fledermäuse | ARD Mediathek

So klingt der Wald bei Nacht